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Kreischen und Knarzen
Musik ist womöglich der falsche Ausdruck. Joelle Leandre, Urs Leimgruber
und Fritz Hauser betreiben Klangraumerforschung. Sie bedienen sich dafür
ihrer Instrumente, verwenden sie jedoch nur selten im eigentlichen Sinne.
Vor allem der in Paris lebende Schweizer Saxophonist Urs Leimgruber verweigert
sich der Konventionalität und braucht in den Kammerspielen am Leonrodplatz
mehr als eine Stunde Konzert um sich gewöhnlichen Tönen zu widmen.
Zuvor atmen und fiepen, kreischen und knarzen, keuchen und klappern seine
Hörner. Er nähert sich mit der Introvertiertheit eines Kammermusikers
den Nebenlinien des Geräusches, die er in die Improvisationen des
Trios integriert.
Joelle Leandre wiederum geht den Mittelweg und pendelt am Kontrabass
zwischen melodischen Motiven und Effekten der Verfremdung. Sie findet
in regelmässigen Abständen zur Struktur zurück und gliedert
die individuelle Beliebigkeit durch Verankerungen in der Gestaltungstradition
der vergangenen Jahrzehnte, fügt hier ein bisschen Barre Philips,
da ein wenig Barry Guy oder Pierre Boulez in das Netzwerk ein.
Fritz Hauser schliesslich gibt dem Projekt den nötigen gliedernden
Rahmen. Der verhaltene Schlagwerker mit dem Hang zum Minimalismus ornamentiert
die Musik mit grosser kommunikativer Kompetenz. Kein Zwischenton entgeht
ihm, jedes abstrakte Detail wird von ihm mit Freude an der Feinheit konkret
gemacht. Ohne Hauser liefe dieses Trio Gefahr, in manchen Passagen albern
experimentell zu wirken. Mit ihm aber wird es zum Erlebnis.
Süddeutsche Zeitung München.Ralf Dombrowski. 5.3.2001
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