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Vom Aufzeichnen der Träume
Hörspiel nach Texten aus dem Band "Dass fast alles anders ist"
von Ludwig Hohl
Der philosophisch-dichterische Grenzgänger Ludwig Hohl ist der grosse
Unbekannte, der ewige Geheimtipp unter den Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts.
Kollegen wie Albin Zollinger, Max Frisch, Elias Canetti oder Adolf Muschg
haben sein Werk gepriesen, Friedrich Dürrenmatt meinte: "Andere
Schriftsteller haben ihre Mätressen. Und ich habe Hohl." Betrachtungen,
Beschreibungen, Träume vereinigen in seinem Hauptwerk, "Die
Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung", Denken und Dichtung.
"Dass fast alles anders ist" (1967) schliesst an die "Notizen"
an; im Untertitel "Von den hereinbrechenden Rändern" scheint
auf, dass neue Erkenntnisse nur von der Peripherie her möglich sind.
Das Ganze bleibt unerreichbar. Eine in sich geschlossene Passage von 14
kurzen Texten ist dem Träumen gewidmet. 12 davon bilden diesen Hörspielmonolog,
einer gibt ihm den Titel. "Abendlicher Gang", ein Bericht über
einen Besuch am Grab der Dichterin Katherine Mansfield (1888-1923), und
ein daran anschliessender Traum stehen im Buch am Anfang, im Hörspiel
am Schluss dieser Passage. Die sorgfältige und präzise Art,
in der Hohl über (seine) Träume schreibt, ist sehr persönlich
aber nie exhibitionistisch, berührend und völlig unsentimental,
poetisch und streng zugleich.
Ludwig Hohl, als Sohn einer protestantischen Pfarrfamilie am 9.4.1904
in Netstal (Kanton Glarus) geboren. Schulen im Kanton Thurgau ohne Abschluss.
Abgesehen von einer kurzen Tätigkeit als privater Lehrer war Hohl
stets unter grossen Entbehrungen als freier Schriftsteller tätig.
Ab 1924 hielt er sich zuerst 7 Jahre in Paris auf, dann 8 Monate in Wien
und schliesslich 6 Jahre in Den Haag bis zu seiner Rückkehr in die
Schweiz 1937. Kurzfristig wohnte er in Biel und liess sich dann endgültig
in Genf nieder. Sein Lebensstil bestätigt die bewusst bezogene Position
des radikalen Aussenseiters. Zur Legendeverdichtete Gerüchte (Kellerwohnung,
Manuskripte an der Wäscheleine; Hohl als massloser Trinker, Nachtwandler
und Kletterer) begründeten lange Hohls Ruf und rückten das Biographische
auf Kosten des Werks in den Vordergrund. Am 3.11.1980 starb Ludwig Hohl
nach längerer Krankheit.
Sprecher: Peter Fitz
Musik: Fritz Hauser
Radiofassung und Regie: Stephan Heilmann und Fritz Hauser
Technik: Jack Jakob
Produktion Schweizer Radio DRS 2003
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